pöapö #1 – 10.11.18 – 20.00 Uhr – ÄK 12

Wir sind Meer


Räsume #1

Liebe Jenossinen und Jenossen,
der erste pö a pö Abend liegt nun hinter uns und man kann auf ihn zurückschauen. Wenig lief so, wie man es vielleicht erwartet hätte, aber das meiste lief so, wie man es sich wohl nur wünschen konnte.
Wenn man die Idee gehabt hatte, dass das ein Abend sein sollte, der durch die Menschen, die sich an ihm versammeln, bestimmt wird, dann ist diese aufgegangen. Es gab eine Bühne mit komplexen, schönen, erbaulichen, frappierenden, lustigen, mitreißenden, verwirrenden und mißlungenen Beiträgen, ja, aber es wurde nicht herabgekanzelt und einseitig präsentiert, nein, sondern miteinander gesprochen. Und es gab Suppe.
Die Offenheit, die der Ankündigung für diesen Abend innewohnte, hatte die*den ein oder andere*n irritiert bzw. herausgefordert: es wurde eine Stunde später als ursprünglich angedacht angefangen (das muss aber jetzt nicht zur Regel werden!) und manchmal wirkte die Programmabfolge vielleicht chaotisch. Doch gerade diese Bruchstellen haben einen Charme, der den ersten Abend so wunderbar getragen und der die Mauer zwischen Publikum und Bühne gesprengt hat.

Vielen Dank an alle, die da waren und an Tom, dessen Zimmer wir genutzt haben – und der es so famos hergerichtet hat. (Das hab ich nämlich am Samstag vergessen zu sagen).

An dieser Stelle folgende Hinweise:
→ Sichert das Datum: 1.12. & 12.1.
→ Wir suchen noch eine Raum für den 1.12.? Weiß oder hat wer was? Bitte hier melden: Kontakt
→ Wer möchte das nächste Mal etwas beitragen? Bitte hier melden: Kontakt
→ Es sind genau 40€ im Hut gelandet. Vielen Dank. Die Kosten von 54€ für Suppe und Bier wurden also fast gedeckt.

Seid gegrüßt
Lennart


Nachlese #1

Eine Rekonstruktion des letzten pö a pö Abends bliebe wohl ein verzweifelter Versuch das Flüchtige zu bannen. Doch einige Beiträge sind doch auch zu haltbar, als dass sie jetzt schon schlecht geworden wäre. Hier also eine kleine Konservendose des Eintopfs vom letzten Samstag – natürlich mit Verlust im Aroma.

1. Create Dangerously – Albert
Einen engagierten Startschuss legte Albert T. mit einer Collage aus direkten und indirekten Zitaten sowie eigenen Einschüben von A. Camus‘ Aufsatz ’Create Dangerously‘ hin. Wer behauptet, sie*er hätte den Text beim ersten Hören verstanden, lügt.

Deswegen hier der Link zur (Re-)Lektüre.

2. Klaviergeklimper – Max Freytag
Ohne wen hätte der Abend nicht funktioniert? Ohne Max Freytag hätte der Abend nicht funktioniert. Wer unterbrach die geballten Textbeiträge zu Beginn des Abends mit der nötigen Klavierklimperei ohne bloß ein Lückenfüller zu sein? Max Freytag – mit den Songs ohne Titel (Titelvorschläge gerne an: info@maxfreytag.de), Chandeliers und Tokar. Barbarossaplatz wurde aber ganz sicher auch gespielt. Später dann noch improvisatorisch am Werk– siehe Punkt 9. Und zuvor zusammen mit Lennart Mehrwald am Cello, den wir jedoch verschweigen, weil er sich (peinlich) verspielt hat bzw. die Noten doch nicht ganz auswendig konnte.

Wer noch immer nicht genug hat, findet hier mehr Infos.
Sein nächster Gig ist als Trio am 29.11. im Kulturbunker Mülheim.

3. Bundes-unfassbar-gericht – Samira und Anna
Wer kann sich kaum etwas spannenderes vorstellen als die Rechtsprechung der 50er des Bundesverfassungsgerichtes? Wohl diejenigen die die Präsentation der Abweisung der Verfassungsbeschwerde gegen die Strafvorschriften gegen die männliche Homosexualität vom BVG 1957 von Samira und Anna gesehen haben. Präzise, pointiert und unterhaltsam erläuterten die beiden welche juristisch und inhaltlich haarsträubenden Argumentationen angestellt wurden, um zu begründen, dass die Bestrafung von männlicher Homosexualität weder gegen den Gleichheitssatz (weil der biologische Geschlechtsunterschied den Sachverhalt hier so entscheidend prägt) noch gegen das Grundrecht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit (da homosexuelle Betätigung gegen das Sittengesetz verstößt).

Das gesamte Urteil findet sich hier. Eine fachlich fundierte Begleitung wird aufgrund des verstörenden Inhalts dringend empfohlen – vielen Dank, dass wir die hatten.

4. Philosophisches Horoskop – Tizia
Nach einer kurzen Werbeunterbrechung KAUFEN SIE DIE FUNZEL. SIE IST ONTOLOGISCH BETRACHTET NOTWENDIGERWEISE GUT. durften wir individualisiert und kundengerecht aus eben dieser philosophischen Zeitschrift der Studierendenschaft der HfPh unsere Horoskope mit wahrsagerischer Stimme von Tizia vorgetragen bekommen. Für unsere online- und E-Mail-Freund*innen hier das Horoskop des aktuellen Tierkreiszeichens Skorpion:

Mars und Jupiter hatten eine große Auseinandersetzung bezüglich Ihrer nachbarschaftlichen Beziehungen, was sich negativ auf Ihre Sternzeichen auswirkt. Vor allem beruflich. Stellen Sie sich auf metaphysische Täuschungen ein. Der Stachel des Skorpions ist durchaus imstande, ein weißes Mammut unsanft in den Dreck zu befördern. Oder an einen Lastwagen gebunden ganze Straßenzüge aufzureißen. Ihr Herz ist ein Marzipanschwan, das durch den übermäßigen Verzehr von Campari eine zartrosa Färbung angenommen hat. Wenn die Sanduhr im Opernhaus von Christoph Schlingensief die Zeit des Aufstandes der Waldfeen anzeigt, sollten Sie sich eine Papiertüte über den Kopf ziehen und abwarten.

Link zum Blog der Zeitschrift: www.funzel.blog
Open Call für Beiträge aller Art zur nächsten Printausgabe noch bis zum 1.12.! – einfach zusenden an: redaktion.funzel@yahoo.com

5. Eudaimonía mal anders – HD
Folgende Einsendung erreichte uns über das Kontaktformular der pö a pö Webseite.

Eierlegen und schlafen, ein glückliches Leben
Hihi,
ich schreibe dir, Mensch!
LaLiLu
HD

Vielen Dank HD für diese weisen Worte!

6. Bands deren Songs allesamt zu Unrecht weniger als 1000 Aufrufe auf Spotify haben –Young Hegelians ’89
Aus der Reihe dessen Titel zu lang ist, um hier nochmal genannt zu werden wurde der Song House von den Young Hegelians ’89 präsentiert.
Einsendungen zu dieser Reihe sind hier willkommen!

7. ‚state of the art‘ on the Philippines – Kurt
Abgesehen davon, dass der born filippino Kurt tatsächlich Kurt heißt, hat er uns auch noch etwas über die Situation der Kunst und der Künstler*innen in einem Land, dessen Präsident die Menschenrechte nicht nur tatsächlich (das kennen wir ja auch aus Europa), sondern auch verbal negiert, mitgeteilt:

In a country wherein the arts is frequently not showcased and far from mainstream media, the stage is the perfect birthplace for nurturing ideas that are liberating rather than restricting. It is there where we artists take our stand against the tyranny and oppression that is happening around the world, especially to our motherland. The stage will not be silenced. We will show you the truth.

Kurts Instagram: www.instagram.com/kurt.copon/

8. Rette dich doch selbst – Herr Brandt
Herr Brandt hatte sich eigentlich vorgenommen alle seine geplanten Songs ohne Unterbrechung zu spielen, bis ihm der Gitarrengurt riss und er dann doch eine lange Ansage zur Überbrückung machen musste. Obwohl es der erste pö a pö Abend war strahlte er etwas wie ein nicht weg zu denkender Ur-Bestandteil des dramaturgischen Bogens des Abend. Die Eingeweihten wissen auch warum er irgendwie zum Inventar gehört.
Hier der YouTube-Kanal von Herr Brandt, der auch zu Unrecht weit unter 1000 Aufrufe hat.
Nächster Auftritt zusammen mit Belitzki, Belitzki und Belitzki irgendwann im Januar.

9. spontane artistische Einlage
Überraschend und bezaubernd die artistische Einlage am HulaHoop von dem, dessen Name hier nicht genannt wird, auf einem viel zu kleinen Fleckchen Teppich zwischen den Zuschauer*innen – begleitet vom improvisierenden Max Freytag.
Demnächst sieht man ihn auch wieder an der Inneren Kanalstraße an der Ampel. Lasst Klein- oder Großgeld da!

10. wird schon noch – Simon und Thilo
Bei einem der nächsten pö a pö Abende gibt’s dann auch mal einen regulären Beitrag von Simon und Thilo, die es dieses Mal erst in der Nachspielzeit schafften vollzählig anzukommen und ihr Saxophon zu Hause vergaßen (wir sagen nicht wer von beiden)…
Herzlichen Glückwunsch zum Album-Release, Simon!


Einladung #1

Liebe Jenossinnen und Jenossen,
es ist soweit und es gibt die erste Ausgabe von pö a pö. Das wird ein Treffen von all denen, die darauf Lust haben am 10.11.18 um 20.00 Uhr in der Äußeren Kanalstr. 12 in Köln zu sein.
Wieso sollte man nun Lust haben, sich zu dieser Zeit an diesem Ort aufzuhalten? Da gibt es mehrere Gründe und sie alle sollen pö a pö ausmachen, damit es nicht bei dem einen Male bleibt:

1. Die anderen Menschen, die dort sind.
2. Zuhören.
3. Beitragen.
4. Bier.

Dazu:
1. Erklärt sich von selbst.
2. Das Programm wird vorher nicht feststehen und nachher nicht mehr rekonstruierbar sein, aber im Moment erfahrbar in Form von Musik, Text, Bild und Darstellung. Vielleicht auch etwas zu essen.
3. Das Programm steht deshalb nicht vorher fest, weil es nicht zentral geplant wird, sondern sich aus dem Vor- und Unvorbereitetem der Anwesenden, die es darauf abgesehen haben, zusammensetzt. Warum sollte man etwas beitragen wollen?
a. Warum nicht?
b. Weil es Zeit wird.
4. Vermutlich Jever.

Also:
1. An Alle die Einladung vorbeizukommen. Sitzplatzreservierungen werden unter der 110 rund um die Uhr entgegengenommen.
2. An Interessierte die Einladung etwas beizutragen und das vorher abzusprechen oder mitzuteilen: Kontakt

Schöne Grüße
Lennart


Manifest #1

Liebe Jenossinnen und Jenossen,
man soll aufhören, wenn es am besten ist, aber wann soll man anfangen? Wenn es am schlimmsten ist? Ja, genau! Gerade wenn die Welt vor die Hunde geht, ist das ein guter Grund für Kunst und Selbstbehauptung.

Während strukturelle Probleme der sozialen Gerechtigkeit – kurz: Verteilung der Güter – kaum beachtet werden oder die Aushebelung ziviler Grundrechte durch die Polizei eher als Verteidigung der Demokratie, denn als deren Gefahr bewertet werden, dafür aber umso intensiver Scheinprobleme wie Geflüchtete zur Gefahr des nationalen Wohlstands stilisiert werden – mit implizit fatalen Scheinlösungen, da ist man zunächst rat- und machtlos.
Soweit nichts Neues und auf der anderen Seite ist das Wetter soweit ganz gut und dementsprechend das allgemeine Wohlempfinden.

Wenn die Wahrheit zu unbequem wird, blicken wir lieber auf das Schöne.

Historisch betrachtet ist der wahrgenommene Weltuntergang eine Konstante. Schon in der Antike ist das goldene Zeitalter – ‚die gute alte Zeit‘ – Teil der mythischen Vorvergangenheit. Die Welt, wie sie sich dem Menschen präsentiert, ist immer die, wo Pandora schon da war: voller Leid und auf dem Weg bergab. Wobei bei der Unüberschaubarkeit des Leidens – mitunter schon des eigenen – die Feststellung, ob es gerade insgesamt besser oder schlechter wird, eher eine Frage der Perspektive ist, denn des Zustandes der Welt, der Stadt oder der eigenen Person. Denn die Simplifizierung der Vergangenheit scheitert bei der Anwendung auf die Gegenwart: Entweder bereits im Versuch, die Vielschichtigkeit zu fassen, oder im Ergebnis, das die Vielschichtigkeit nicht fasst.

Wenn es immer schlecht ist, ist es immer lohnenswert für das Gute einzustehen.

Ebenso unklar wie das Ausmaß des Leids ist jedoch auch die Kenntnis darüber, was zu tun ist. Bei dieser Ratlosigkeit, was richtigerweise – oder gar idealerweise – zu tun ist, darf man nicht vergessen, wie klar es häufig ist, was nicht zu tun ist. Tut man nun nicht das, was nicht zu tun ist, liegt man sicherlich nicht ganz falsch.
Hier manifestiert sich das Bekenntnis zur Eklektik! Die kleinen Dinge als die Materie des Großen. Die Blindheit gegenüber den großen – und damit einfachen – Erklärungsversuchen ist der scharfe Blick auf das Detail, ist die Blindheit gegenüber den vermeintlich großen Zusammenhängen.

Lasst uns also pö a pö in konzentrischen Kreisen drehen.

PS: Wir sind Meer.

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